In der Gestalttherapie gehen wir davon aus, dass wir von Natur aus freudvolle, wache und spontane Wesen sind. Doch im Laufe des Lebens kann es geschehen, dass wir die Fähigkeit auf diese Art zu leben verlieren.
In der Gestalttherapie nutzen wir das Modell der Figur- / Grundwahrnehmung. In diesem Verständnis sind alle Bedürfnisse in einem Hintergrundfeld inaktiv abgelegt. Ein Bedürfnis wird dann aktiviert, sobald es für die Entwicklung und Erhaltung des Organismus bedeutsam wird. Es tritt dann als handlungsleitendes Motiv in den Vordergrund und zeigt sich durch ein Gefühl. Zum Beispiel dem Gefühl nach Sicherheit, nach Nahrung, nach Nähe, nach Abgrenzung und so weiter.
Durch Gefühle nehmen Bedürfnisse Gestalt an.
Wird das Bedürfnis gestillt, erhält der Organismus was er für sein weiteres Wachstum und seinen Erhalt braucht. Das Bedürfnis fällt in den Hintergrund zurück und deaktiviert sich wieder.
Wird ein Bedürfnis nicht gestillt, sprechen wir in der Gestalttherapie von einer offenen Gestalt, welche nach Geschlossenheit sucht. Eine offene Gestalt wirkt sich immer negativ auf das Wohlbefinden des Organismus aus.
In meiner Praxis finden sie einen geschützten Raum, in dem sie sich neu ausprobieren, verändern und heilen können.
Der Organismus mobilisiert für seine Bedürfnisbefriedigung Energie. Wird dieser Prozess aufgehalten, staut sich diese Energie auf. Es entstehen muskuläre Blockaden, wobei der Organismus auf das unbefriedigte Bedürfnis fixiert bleibt. Gelingt es dem Organismus längerfristig nicht, dieses Bedürfnis auszugleichen, entsteht eine immer größer werdende innere Spannung.
Um diese zu kompensieren, entwickelt der Organismus Notfallstrategien. Diese Notfallstrategien wirken sich auf Dauer negativ auf die gesamte Weiterentwicklung des Organismus aus. Sie führen in die Chronifizierung, zur Sucht und in psychische sowie in psychosomatische Krankheiten.
Auch alle Lebensereignisse und Potentiale sind als Informationen im Hintergrundfeld gespeichert. Mit Hilfe unserer Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft ist es möglich, sich mit jedem Erlebnis und jedem Potential zu identifizieren. Durch diesen Prozess schalten wir diese Informationen in den Vordergrund.
Durch die hervorgerufenen Gefühle nehmen die Informationen Gestalt an. Sie werden lebendig und erlebbar. Schöne Erlebnisse und Potentiale könne so zu einer Quelle der Kraft und der Freude werden.
Unverarbeitete Lebensereignisse (offene Gestalten) werden greifbar und damit bearbeitbar. Sie können im sicheren therapeutischen Rahmen verarbeitet, gelöst und damit geschlossen werden. Verarbeitet fallen sie dann in den Hintergrund zurück.
Durch die Verarbeitung haben sich jetzt Blockaden und Fixierungen gelöst. Die Muskulatur lockert sich und die Energie kann wieder freier durch den Organismus fließen.
Durch diesen Prozess lernt der Mensch immer verantwortungsvoller mit seinen Bedürfnissen und Gefühlen umzugehen. Er wird selbstbewusster und kann sich seine Ressourcen erschließen. Er wird lebendiger, wacher und präsenter für das was in ihm und um ihn herum, hier und jetzt geschieht.
Da wir in der Kindheit im höchsten Maße von unserer sozialen Umgebung abhängig sind, besteht hier die größte Gefahr, in unseren Bedürfnissen bzw. in unserer Bedürftigkeit verletzt zu werden.
So wie bei einer schief geknöpften Knopfleiste der erste schief gesetzte Knopf verantwortlich für den gesamten Schiefstand ist, gehen aktuelle Schwierigkeiten, Krisen, psychische und psychosomatische Krankheitssymptome meist auch auf alte Ursachen aus der Kindheit zurück. Mit anderen Worten, sie haben meist einen alten Kern.
Meine Arbeitet orientiert sich daher hauptsächlich an alten offenen Gestalten aus der Kindheit. Sie ist somit aufdeckend und ursachenorientiert. Die Arbeit mit dem inneren Kind steht dabei im Zentrum meines Wirkens.
